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Peter L. Opmann

Comic-Godzilla

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Dienstag, 24. Februar 2015, 08:23

Vielen Dank für den Scan, FrrFrr! Ich habe am Samstag noch überlegt, ob ich mir die Zeitung kaufe (Spiegelman war auf der Titelseite), hab's aber dann doch nicht getan. Aber den Comic sollte man lesen und darüber nachdenken.

wilko*

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22

Montag, 2. März 2015, 14:04

Also ich möcht hier meinen Senf auch nochmal dazugeben....

Abgesehn von politischen und religiösen Hintergrund, stelle ich mir die Frage nach dem Davor und Danach.

Was lässt das menschliche Gewissen so sehr abstumpfen das er die Achtung vor dem Leben komplett aufgibt und sich im Recht fühlt, wehrlose Menschen zu ermorden. Diese Frage wird soziologen und Psychologen, Philosophen und andere Geisteswissenschaftler noch lange beschäftigen weil es keine einheitliche Antwort geben kann, da jeder Mensch eine individuelle Biographie und Persönlichkeitsmuster hat, die es erst zu verstehen gilt.

Die Frage nach dem Danach ist fuer mich viel konkreter. Was macht die Gesellschaft mit den Folgen solcher oder ähnicher Terror-/Gewaltverbrechen?
Und damit meine ich die Zeit nach dem akkuten Schock. Wenn die großen Reden geschwungen und die Friedensdemos abgeklungen sind?
Dann widmet man sich dem Geschäft weiter, indem Humor sich hauptsächlich (weils profitabler ist) unter der Gürtellinie abspielt und die Medien ihre
Volksverdummung weiter nach dem alten römisch-imperialen Prinzip "Brot und Spiele" fortführen.

Ich fände es verkehrt sich nach den Terroranschlägen auf CH einer Selbstzensur zu unterwerfen.
Jedoch finde ich es fuer jeden Künstler angebracht sich selbst zu hinterfragen (reflektieren) in wie weit seine Kunst die Gefühle oder dir Glaubens- und Gewissensfreiheit eines anderen angreifen könnte. Bzw. wenn meine Kunst eine Message hat muss ich sie, und mich selbst als Künstler ernst nehmen, und die Verantwortung fuer meine Werke übernehmen. Das ist nach meiner persönlichen Meinung teil meiner künstlerischen Freiheit, welche durch solche Terroranschläge angegriffen wird.
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23

Montag, 2. März 2015, 17:13


Jedoch finde ich es fuer jeden Künstler angebracht sich selbst zu hinterfragen (reflektieren) in wie weit seine Kunst die Gefühle oder dir Glaubens- und Gewissensfreiheit eines anderen angreifen könnte.

Die Glaubens- und Gewissensfreiheit eines anderen kann ich wohl kaum mit Karikaturen angreifen, seine/ihre Gefühle schon, und auch Religionen. Ich glaube, etliche Zeichner/innen lehnen es ab, sich über Religionen bzw. Gläubige lustigzumachen. Ich selbst bin mir in der Frage noch nicht ganz einig.

wilko*

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24

Montag, 2. März 2015, 22:21

Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen da mein Halbwissen Grenzen hat ;-)

Aber der Mensch ist sehr vielschichtig und was ihn wirklich motiviert ist fuer Außenstehende nicht sichtbar, manchmal selbst fuer den Betreffenden nicht.

Ich denke das die definition von Glauben und Gefühl immer abhängig vom eigenen kulturellen Hintergrund ist. Sprich jeder muss selbst seinen Glauben erkunden und herausfinden ab wann Religionskritik ihn Gefühlsmäßig verletzt oder auch nicht.

Was in Frankreich passiert ist, hat nichts damit zu tun das die Freiheit der Attentäter angegriffen wurde. Es war ein reiner Terrorakt, der nichts mit Religionsfreiheit zu tun hat sondern sich meiner Meinung nach auf stumpfen Hass aufbaute.
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25

Dienstag, 3. März 2015, 08:31

Ein Lesetipp: "COMIX" # 47 ist raus als "Charlie Hebdo"-Spezial, mit vielen ins Deutsche übersetzten Zeichnungen aus "Charlie Hebdo", und mit interessanten Artikeln zum Thema Meinungsfreiheit, z.B. vom "Charlie Hebdo" - Zeichner Luz, sowie Interviews mit dem in Algier lebenden Zeichner Ali Dilem und mit Art Spiegelman.

http://www.comicforum.de/showthread.php?146001-Comix-47

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26

Dienstag, 5. Mai 2015, 17:55

Wer war nochmal dieser Charlie Hebdo?

Gestern hat Alison Bechdel in ihrem Blog ein paar kluge Sachen geschrieben: http://dykestowatchoutfor.com/blog

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27

Mittwoch, 6. Mai 2015, 10:24

'Charlie Hebdo' für Dumme:

Danke für den Link, FrrFrr. :D

Hier findet sich auch ein Verweis auf eine englischsprachige Webseite, die einen Teil der Karikaturen in dem französischen Satire- Magazin 'Charlie Hebdo' erklärt:

http://www.understandingcharliehebdo.com/#manifs-gouines

Sehr interessant.

Ich finde, man darf Witze über alles machen. Ob man die dann JEDEM zeigen/ erzählen MUSS steht auf einem anderen Blatt (z.B. die Prophetenkarikaturen aus Dänemark, die die erste Protestwelle mit Gewalt & Toten auslöste, sollen ja lange nach der eigentlichen Veröffentlichung gezielt von Rechten an muslimische Vereinigungen geschickt worden sein - um eben genau solche Reaktionen zu provozieren).

'Charlie Hebdo' wird für Geld verkauft. Das muss ja keiner ausgeben (siehe auch die geringe Auflage des Magazins bis zu dem furchtbaren Anschlag).
Sexistische und frauenfeindliche Werbung an Plakatwänden z.B. ist eine echte Verletzung von persönlichen Rechten, die permanent praktiziert wird.

Jähling

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28

Montag, 18. Mai 2015, 21:12

Ja, man kann leicht drauf kommen, Charlie Hebdo mit den Cartoons im Jyllands-Posten zu vergleichen. Ist aber etwas wesentlich anderes. Die dänischen Cartoons wurden gezielt veröffenlticht, um zu beweisen, dass Freiheit und Islam im gleichen Land nicht gehen. Das war keine künstlerische Absicht, sondern eine hetzerische, und die ist auch noch in die Hose gegangen: Erst als irgendwelche islamistischen Scharfmacher die Cartoons, untermischt mit völlig anderen, deutlicheren, angeprangert haben, ging da was los. Idioten gegen Idioten. (Wobei ich trotzdem der Meinung bin, die ersten Idioten, die dänischen, hatten das Recht zu der Aktion, genauso wie ich das Recht habe, sie deswegen Idioten zu nennen. So machen wir das im Westen.)

Was Charlie Hebdo macht, sehe ich eher als Provokation nicht um der Provokation, sondern um der Erkenntnis willen: Man kriegt da so richtig die eigenen Ekelgrenzen vorgeführt. Und einiges ist auch wirklich witzig.

MUSS man das machen? Nö. Aber man muss es machen KÖNNEN.

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29

Dienstag, 19. Mai 2015, 11:25

(z.B. die Prophetenkarikaturen aus Dänemark, die die erste Protestwelle mit Gewalt & Toten auslöste, sollen ja lange nach der eigentlichen Veröffentlichung gezielt von Rechten an muslimische Vereinigungen geschickt worden sein - um eben genau solche Reaktionen zu provozieren).


Erst als irgendwelche islamistischen Scharfmacher die Cartoons, untermischt mit völlig anderen, deutlicheren, angeprangert haben, ging da was los.


Quellen? Würde ich einfach gerne mal nachlesen.

Jähling

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30

Dienstag, 19. Mai 2015, 15:17


Quellen? Würde ich einfach gerne mal nachlesen.


Irgendwelche Zeitungen* anfang 2006. Viel Spaß beim Recherchieren!


*) In meinem Artikel für PANEL Online damals habe ich unter Anderem einen aus der Süddeutschen referenziert, aber der ist nicht mehr online, also weiß ich nicht, welchen. Muss ich mal ändern, den Artikel.

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Montag, 17. August 2015, 15:14

Zum Thema "Die Schere im Kopf" ist ganz interessant, was Stéphane Charbonnier, der ermordete Chefredakteur von "Charlie Hebdo" in seinem Text "Lettre aux escrocs de l'islamophobie qui font le jeu des racistes" darlegt. Auch wenn man meint, seine Haltung sei nicht weiter erklärungsbedürftig, schärfen seine Argumente nochmal den Blick für manipulativ eingesetzte ungenaue Begriffe. (Über die Bezeichnung Karikaturist war er übrigens auch nicht besonders glücklich. Er bevorzugte für sich und seine Kollegen eher den Begriff Pressezeichner.)

Der Text ist auf deutsch im Verlag Tropen erschienen. 12 EUR sind für das schmale Büchlein allerdings ganz schön happig. Vielleicht findet ihr es in eurer Bücherei:

Charb.: Brief an die Heuchler. Und wie sie den Rassisten in die Hände spielen.

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32

Dienstag, 6. Oktober 2015, 14:14

Noch ein Fundstück zum Thema aus dem "MIZ Sonderheft: Satire und freie Meinungsäußerung - Ein illustriertes Plädoyer für Emanzipation" / MIZ 2/15. "MIZ" steht übrigens für " Materialien und Informationen zur Zeit - Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistINNEN"


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33

Samstag, 24. Oktober 2015, 13:49

Meine letzten beiden Gordons waren ja so ein bißchen in die Richtung anti-extrmistisch. Nix dolles, gebe ich zu.

Nun war ich gestern bei meinen Eltern. Meine Mutter, ansonsten eher nicht so netz-afdfin, guckt sich meine Sachen regelmäßig an. Und so kam der Dialog, der kommen mußte:

"Meinst Du nicht, Du solltest das mit den Terroristen lieber lassen?"

"Hä? Wierso das denn?"

"Nicht, daß die doch nochmal vorbeikommen."

"Mama, wir leben in Deutschland. Wir haben das grundgesetzlich verbriefte Recht auf freie Rede."

"Ich mein ja auch bloß. ICH hätte mich das nicht getraut."

---

Sind wir wirklich schon so weit, daß wir uns selbst eine Art Zensur auferlegen- aus Furcht, jemand könnte sich auf den Schlips getreten fühlen? Meine Ma ist knapp 65 und sonst sicherlich kein Angsthase.

Aber trotzdem hätte sie sich DAS nicht getraut.

Ich habe ja auch schon christliche Themen verspöttelt- aber da stellte sich die Frage nach dem "...darf man sowas machen?" eigentlich niemals. Haben die Radikalen etwa schon gewonnen?

Diese Frage stellt sich ein besorgter

Fraro




Da ich gerade hier im Forum zu dem Thema im Gespräch bin,
hier erstmal unsere praktische Lösung.
Wir haben heute gerade drei Zeichnungen zerrissen.


Die Kollegen schauen lassen. Dann ist zu sehen ist es Schere im Kopf oder beleidigend.
Und zwar ging es fast um das Thema oben
im Startpost
nur andere Zeichnugen und sind weg
und acht Leute waren heute morgen im Büro und bei allen drei Bildern sagten alle nicht Betroffenen:
Wirf weg das ist flach und nur beleidigend.
Und dann haben vor derm Zerstören noch Tips gegeben erst nach Absicht und Anliegen gemacht und dann einfach Ideen
wie das Thema rüberkommen kann und alle drei werden neu entwerfen.

Denn das Thema soll ja treffen so wie das Peace Zeichen und die Leute sollen es kopieren und weitergeben und wenn dann ein Missstand ist
wie Hurricanne dass der danke an Robert aus dem Knast kommen.

Denn gerade die Karikatur liebt die Freiheit.

FrrFrr

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34

Freitag, 25. März 2016, 12:42

Suleiman Bakhit glaubt an die Kraft guter Comics

Wie ein arabischer Comic-Künstler gegen Islamismus anzeichnet: http://www.bento.de/politik/comics-vs-is…95760/#refsponi (bei spiegel online gefunden.)

(Hatte ich zwar schon unter "Comics in der Presse" gepostet, aber hier ist eigentlich der richtige Ort. Die Frage nach der Schere im Kopf verengt unser Denken vielleicht zu sehr auf Überlegungen, was man noch darstellen darf und was man besser lassen sollte. Der Araber Suleimann Bakhit fragt aber danach, welche Botschaften, vor allem an Kinder und Jugendliche, jetzt gerade wichtig sind und was Comics dazu leisten können. Die Antworten, die er für sich gefunden hat, setzt er konsequent um und nimmt auch das Risiko in Kauf, bedroht und körperlich angegriffen zu werden.)

FrrFrr

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35

Sonntag, 13. Januar 2019, 17:07

(In diesem Thread haben wir uns kurz nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 ausgetauscht.)

Im Juli letzten Jahres hat die Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) e.V. eine Publikation zu Charlie Hebdo herausgebracht, die man komplett von ihrer Website herunterladen kann. https://www.comicgesellschaft.de/2018/07…bdo-erschienen/

Im Vorwort heißt es unter anderem:

„Diese Sammlung geht aus der Auseinandersetzung innerhalb der Gesellschaft für Comicforschung direkt nach den Anschlägen hervor. Dabei entstand der Wunsch, mehrere verschiedene Stimmen zu Charlie Hebdo in einer ruhigeren, ausführlicheren und differenzierteren Weise sprechen zu lassen, als es damals gelang. Auch deshalb haben wir uns für diese Ausgabe sehr viel Zeit genommen. Sie ist gerade keine Antwort auf die feigen Morde vor drei Jahren, sondern Ausdruck eines Interesses an der Zeitschrift, das darüber hinausgeht.“

Ich wollte auch noch erwähnen, dass ich die beiden Comic-Bände "Katharsis" von Luz und "Die Leichtigkeit" von Catherine Meurisse wirklich lesenswert finde. Beide ZeicherInnen sind ja schon bald nach dem Attentat bei Charlie Hebdo ausgestiegen, und sie haben sich jeweils sehr persönlich zu den Folgen des grausamen Erlebnisses geäußert, so wie es ihnen vielleicht am besten möglich ist, nämlich in Comicform. Es sind sehr eindringliche Werke dabei herausgekommen.

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