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FrrFrr

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Montag, 12. Oktober 2020, 18:35

Hinter Türen - Ein Comic gegen das Schweigen

Mir ist gestern zufällig ein Heft in die Hände geraten, das ich sehr gut finde, nicht nur zeichnerisch, sondern vor allem wegen der Story, also was und wie es erzählt ist. 48 Seiten Comic von Isabel Kreitz und Stefan Dinter, entwickelt mit dem Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" und herausgebracht vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

In Auftrag gegebene Aufklärungscomics jeglicher Art sind sonst nicht so mein Ding, aber hier wurde ich wirklich in die Geschichte hineingezogen und für das Thema geöffnet. Der Comic wurde schon 2016 im Web veröffentlicht, diese Printversion ist vom März 2018.

Im Vorwort heißt es: "Der Comic "Hinter Türen" behandelt verschiedene Formen von Gewalt, verzichtet aber auf einfache Antworten und explizite Darstellungen. Er fordert vielmehr dazu auf, die eigenen Sinne zu schärfen und genau hinzuschauen." Ist ihm wirklich gelungen.



P.S. http://www.hinter-tueren.de/

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Peter L. Opmann

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Montag, 12. Oktober 2020, 19:03

Spricht mich auch an. Ich habe nicht sofort alles gelesen, aber die etwas altmodische Form des Comics finde ich gut. Allerdings kann man "Hinter Türen" wohl nur auf dem Bildschirm lesen, und das paßt dann für mich nicht so ganz dazu.

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Montag, 12. Oktober 2020, 23:01

Auch wenn es die Printversion nicht mehr geben mag, ist der Comic in seiner Onlineversion ja endlich einmal ein Webcomic, der auch als solcher konzipiert ist und sich gut am Bildschirm lesen lässt.

bene

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 07:52

Der "klassische" Look/Farbgebung gefallen mir auch sehr gut und ist als Online-Version wirklich toll umgesetzt. Lese gerade, lohnt sich!

Besonders ärgerlich ist ja auch, wie dieses Thema in Medien immer wieder verharmlosend betitelt wird als "Beziehungsdrama" oder "Familientragödie" etc., wo schlicht von Misshandlung oder Mord die Rede sein sollte...

Ein netter Zufall: Erst gestern bin ich beim Durchstöbern älterer PLOP-Hefte für schöne Teaser-Bildchen zum Jubiläumsheft auf einen zeichnerischen Gruß von Isabel Kreitz gestoßen (gibt's auch online).
Stefan Dinter war ja ohnehin sehr aktiv da. - Ja, PLOP hatte sie fast alle. :)

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kurisuno (17.10.2020)

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 08:46

Zu dem Medienvorwurf:

Meist müssen sich die Redaktionen auf Polizeiinformationen stützen. Da wird heutzutage nicht einmal mehr von "Beziehungsdrama" gesprochen, sondern in der Regel heißt es ""Hintergründe der Tat sind noch nicht ermittelt." Ein Journalist kann natürlich sagen: Der Fall interessiert mich. Man kann warten, bis die Polizei mehr herausrückt, oder man kann auch auf eigene Faust mit Augenzeugen, Angehörigen, Experten reden, aber das erfordert eine Menge Zeit. Abgesehen davon, daß fraglich ist, ob die Sache die Öffentlichkeit nach Wochen oder Monaten noch interessiert, bekommen die meisten fest angestellten Redakteure auch kaum noch den Freiraum, sich mit einer so umfangreichen Recherche zu beschäftigen. Wer sich als freier Journalist an sowas setzt, muß ohnehin Vermögen im Hintergrund haben, so daß er eigentlich nicht arbeiten muß.

bene

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 10:15

Mir geht's bei meinem Medienvorwurf aber gar nicht um fehlende Recherche, sondern allgemein um einen verharmlosenden, teils perfiden Umgang mit Sprache ("Eifersuchtsdrama"), wenn von diesen Verbrechen die Rede ist und die Hintergründe im Prinzip schon bekannt sind. Hier gibt's einen guten Artikel dazu und mittlerweile setzt da wohl auch ein Umdenken ein...

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kurisuno (17.10.2020)

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 10:25

Den Deutschlandfunk in Ehren, aber das geht an der Sache vorbei.

Das Problem besteht darin, daß nach einem Mord - mit womöglich mehreren Opfern - schnell berichtet werden muß. So schnell, daß noch gar nicht geklärt sein kann, was genau passiert ist. Das verleitet dazu, Schubladen zu öffnen. Wenn sich sowas innerhalb einer Familie abspielt, liegt nahe, von einer Beziehungstat zu sprechen. "Machogewalt schlägt zu" klingt originell, aber ob es so war, kann zu diesem Zeitpunkt in der Regel auch niemand wissen.

Wenn hier aus "Bild" und "Expreß" zitiert wird, muß man dazusagen, daß da ohnehin ganz andere Regeln gelten. Man muß den Mord nicht nur schnell im Blatt haben, sondern man muß auch eine stimmige Geschichte dazu erzählen können. Wenn man keine Fakten hat, dann erfindet man in Boulevardmedien halt welche. Auch für solche Zeitungen gilt die Pressefreiheit, aber ich erlaube mir, sowas nicht zu lesen.

bene

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 11:22

Das Problem besteht darin, daß nach einem Mord - mit womöglich mehreren Opfern - schnell berichtet werden muß. So schnell, daß noch gar nicht geklärt sein kann, was genau passiert ist. Das verleitet dazu, Schubladen zu öffnen.
... aber "Drama" und "Tragödie" sind eben denkbar schlechte Schubladen, um das annähernd zu umschreiben - das ist der Punkt in dem Artikel. Schließlich geht's hier um schwerste Verbrechen (und ein echtes gesellschaftl. Problem, wenn man sich die Zahlen so anschaut). Und wie gesagt - ich wiederhole mich leider - wird in dieser Art eben auch berichtet, wenn die Motive (Eifersucht etc.) bereits klar sind.
(Und ja: Bild & Co. kommen vielleicht in unserer persönlichen Filterblase nicht so vor, haben aber immer noch großen öffentlichen Einfluss - das sollte man nicht vergessen...)

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Peter L. Opmann

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 12:04

haben aber immer noch großen öffentlichen Einfluss


Das stimmt. Wollte ich nicht abstreiten, aber ich bedaure es.

Also wärst Du für "Machogewakt: Ehepaar und Tochter tot" oder so? In unserem Land gilt die Unschuldsvermutung, bis die Schuld erwiesen ist. Auch wenn klar zu sein scheint: es war der gewalttätige Mann. "Familientragödie" ist in dieser Beziehung zumindest ein neutraler Begriff.

bene

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 19:11

Ich bin dafür, diejenigen Begriffe zu verwenden, die ja auch sonst bei Gewaltverbrechen ganz normal verwendet werden - sprich: "schwere Körperverletzung mit Todesfolge", "Totschlag", "Mord" (gerne auch mit einem "mutmaßlich" davor - das ist, glaube ich, wirklich nicht der springende Punkt, um den es hier geht.)
"Familientragödie" ist eben kein neutraler Begriff, sondern verharmlost Tat und Täter: Er suggeriert, dass die Tat irgendwie schicksalhaft/unausweichlich war. Er suggeriert, dass es sich dabei um bedauerliche Einzelfälle handelt (und das ist wirklich nicht der Fall - ein Blick in die Statistik mit Gewalt gegen Frauen lohnt). Und - was das Schlimmste ist - betreiben solche Begriffe auch subtil eine Art Schuldumkehr: Wenn ein Mann seine Frau tötet, weil diese ihn verlassen will, ist das eben kein "Eifersuchtsdrama" (so als wäre er ja geradezu von ihr zu der Tat getrieben worden) und auch nicht irgendwie "tragisch".
(Es geht ja bei meiner Kritik um Artikel, in denen Täter und Motivlage auch so benannt werden - von daher geht dein Einwand mit der Unschuldsvermutung am eigentlichen Problem vorbei, denke ich.)

Fraro

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 20:31

Äh...

Mich holt der Comic auch total ab. Ich hab's eben gelesen- der Stil und die Umsetzung gefallen mir sehr.
Ein sicherer Strich, ein gutes Auge für Perspektive, gedeckte Farben- das macht schon optisch Spaß.

Das Thema selbst ist natürlich schwierig, ich finde aber, Kreitz und Dinter gehen sehr einfühlsam damit um. Es ist nicht
übermäßig plakativ, sondern ruhig und stringent erzählt. Dem Medium geschuldet sind es bis dahin zwar ziemlich schwarz-weiß
gefärbte Charaktere, daß tut aber der Geschichte und ihrem Anliegen keinen Abbruch.

Ich lese es gerne weiter!

Respektierende Grüße

Fraro
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Dienstag, 13. Oktober 2020, 20:40

Von "Machogewalt" zu sprechen, impliziert irgendwie, dass das geistig oder psychisch minderbemittelte Männer sind, mit denen sich eh keiner identifiziert. Finde ich daher auch ziemlich verharmlosend oder zumindest irreführend. Soweit ich weiß, verteilen sich die Täter recht gleichmäßig auf alle Schichten, Berufsgruppen, Bildungsgrade, Glaubensrichtungen etc.

Dem Medium geschuldet sind es bis dahin zwar ziemlich schwarz-weiß gefärbte Charaktere

Das erinnert mich jetzt an den Dialog zwischen Rainer und Anna:
Rainer: "Aber bei Meyer-Velden hast du zu dick aufgetragen, finde ich! Das ist doch ein Klischee..."
Anna: "Hast du 'ne Ahnung!"

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Peter L. Opmann

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 22:27

Ich habe mir nur mal die Mediendarstellung herausgegriffen - auch weil ich da ein bißchen mitreden kann.

Ich erkenne völlig an, daß die Gewalt meistens von Männern ausgeht und Frauen die Opfer sind.

Wenn es nach mir ginge, sollte sowas überhaupt nicht in Medien dargestellt werden, es sei denn, die Hintergründe sind gründlich recherchiert, so daß man die Schuld klar benennen kann. Aber die Aussicht, daß Medien darüber nicht berichten, wird immer schlechter, da sich die Medienwelt immer mehr ausdehnt und jeder sich an solchen Themen beteiligen muß. Bleibt immer noch, daß man als Medienkonsument sowas nicht liest oder anschaut, außer es ist gründlich aufgearbeitet (da kann man sich allerdings immer noch streiten, ob ich als Unbeteiligter einen wichtigen Erkenntnisgewinn habe).

Jetzt muß ich auch mal den Comic komplett lesen...

Fraro

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Dienstag, 13. Oktober 2020, 23:57

Das erinnert mich jetzt an den Dialog zwischen Rainer und Anna:
Rainer: "Aber bei Meyer-Velden hast du zu dick aufgetragen, finde ich! Das ist doch ein Klischee..."


Ich glaube, Du hast mich mißverstanden. Es ist in einem relativ kurzen Comic schwer, alle Charaktere in die Tiefe zu entwickeln.
Meiner Erfahrung nach sind die Menschen nie nur gut oder nur böse. Ich meinte das aber gar nicht unbedingt als Negativkritik...
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Mittwoch, 14. Oktober 2020, 11:46


Meiner Erfahrung nach sind die Menschen nie nur gut oder nur böse.

Der Verdacht ist mir auch schon gekommen. (Bin ja auch schon groß.) Und auch Frau Berger im Comic will ja über sich und ihren Mann partout kein klares Urteil sprechen. Leider ist genau das ein Teil des Problems. Oder anders gefragt: Was findest du hier ein wenig zu schwarz/weiß gezeichnet?

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kurisuno

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Samstag, 17. Oktober 2020, 18:57

Ich habe den Web Comic gerade gelesen. Ich finde ihn wirklich gut gemacht. :thumbup:
Never give up :thumbup:

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