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Freitag, 12. April 2024, 01:07

Tex und Bettina

Hier jetzt ein ganz neuer Comic, "Tex und Bettina". Er handelt vom Tod von Tex Connelly, einem Johnny Cash nachempfundenen Country-Sänger. Der deutsche Ableger des "Hey! Ho!" (eines dem "Rolling Stone" nachempfundenen US-Musik-Magazins) schickt die Bremerin Bettina Borchers, die privat eher Metal und vor allem Punk hört in die Staaten um einen Nachruf über Tex zu schreiben. Dort interviewt sie alle möglichen Freunde von ihm, um ein Bild seines Charakters zu bekommen. Die Szenen die ihr hier seht handeln von Bettinas Rückkehr in ihre Heimat, wo sie von ihren Freundinnen ausgefragt wird.

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Freitag, 12. April 2024, 01:17


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Freitag, 12. April 2024, 01:19


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Freitag, 12. April 2024, 01:20


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Freitag, 12. April 2024, 01:21


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Freitag, 12. April 2024, 01:25

ich werde bei einer eventuellen Überarbeitung - habe eh vor das Ganze mehr etwas anders in der Geschichte anordnen - auf Voiceover in Textkästchen verzichten und dafür eher alles über Dialoge/inneren Monolog gestalten. Vielleicht werde ich auch noch die Hintergründe im Club besser ausgestalten...

David Schwarz

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Samstag, 13. April 2024, 03:09

Ich finde es etwas befremdlich, die Handlung so aus zweiter Hand serviert zu bekommen. Wenn man die eigentliche Reise vorher als Leser schon selbst miterlebt hat, ist das ja auch noch total unnötig. Außerdem müssten diese Seiten dann ja auch das Ende der Geschichte sein. Wieso postest du die zuerst?

Deine Bettina kommt als Journalistin außerdem als total inkompetent rüber, wenn sie nach einer so ausführlichen (in meinen Augen für einen Nachruf zu ausführlichen) Recherche über diesen Musiker viel weniger weiß als ihre Freundinnen.

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Blitzkrieg Bettina (13.04.2024)

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Samstag, 13. April 2024, 06:04

hatte auch vor das später etwas umzumodeln, vielleicht eher an den Anfang, bevor sie in die USA aufbricht. Um sie als Person einzuführen.
Hatte mal die Redaktionssitzung in der beschlossen wird Bettina den Nachruf schreiben zu lassen als Romankapitel geschrieben, auch da wurde schon kritisiert dass ich die einzelnen Redaktionsmitglieder als zu nerdig, zu sehr auf ihre jeweilige Musikrichtung fixiert dargestellt habe. Mit dann einfach von normalen Musikhörern ausgegangen, klar, Journalisten sollten etwas kompetenter sein.
Weiß auch nicht ob "Nachruf" das richtige Wort ist, ich hatte ja den Film "Citizen Kane" als Vorbild genommen, nannte sich da was Mr. Thompson über Kane schrieb auch "Nachruf"?
Ich hatte Lust diese Episode zu zeichnen, weil die Damen auf den Zeichnungen bis auf Bettina alle reale Vorbilder haben (auch einige im Hintergrund dargestellte, nicht namentlich genannte), da bereitete es mir einfach eine Freude diese mal bildlich darzustellen und zu beschreiben...

FrrFrr

Kims Klon

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Samstag, 13. April 2024, 21:30

Stimme dir zu, BB. Dialoge (und Monologe) sind lebendiger und comicgemäßer als viel erzählender und beschreibender Text. Und mehr von Ambiente und Personen zu zeigen, ist in dieser Geschichte einfach notwendig, finde ich. Einen Comic, in dem es um Mode, Jugendkultur, Ästhetik, Körper und Musik geht, dermaßen sparsam zu visualisieren, erscheint mir als vertane Chance.
Da bleibt auch einiges unklar. Die lässigen Hochsteckfrisuren (?) der Freundinnen z.B. könnten so auch in einer Geschichte vorkommen, die plus/minus 1900 spielt.
Bei einem solchen Comic würde ich mir vorher massig Bildmaterial beschaffen, vielleicht sogar ganz viel mit verfremdeten oder abgezeichneten Fotos arbeiten. Aber das wäre dann natürlich ein seeehr anderer Comic.
Zum Teil kommen die Beschreibungen der Charaktere reichlich machomäßig rüber. Empfinde ich auch als Manko.

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Blitzkrieg Bettina (13.04.2024)

Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 00:33

Tex & Bettina


DISCO „MORAST“

INNEN/ABEND


YANA




Merle, du warst doch immer so dicke mit
Bettina, sie soll ja heute wiederkommen.



MERLE (leicht norddeutscher Slang)




Klingt als ob du sie nicht mögen würdest?
Hat ein bisschen so’n Unterton.



YANA


Hmm. Hatte immer den Eindruck, dass sie
die Sache mit dem Journalismus immer sehr ernst nimmt, hatte etwas… Verbiestertes
bei ihr.



SAMINEH (skeptisch die Stirn runzelnd)



Aber du nimmst doch auch deine Kunst total
wichtig, als ob es dabei um Leben und Tod geht. Warum tanzt du nicht ein
bisschen, anstatt da so wie ’ne Wand rumzustehen?



YANA (guckt betreten, dann zu Palina
rüber
)


MERLE



Bettina, süße Plüschmaus mit Stacheln auf
der Seele. Na, besonders amerikanisiert bist du ja nicht. Nicht dick und
aufgedunsen vom Fast Food, kein albernes "I Love New York"-T-Shirt,
ganz die alte Bettina. Lederjacke, Stiefel, Leopardenrock, Schleifchen im Haar.
Auch mal wieder im Land?



Merle: "Sag
mal, Bettina, was ich dich länger schon fragen wollte: Was hast du eigentlich
drüben in den Staaten gemacht? Den Leuten die deutsche Kultur
nahegebracht?"


YANA (verdreht die Augen)



BETTINA



Klar, sie nannten mich am Anfang auch
„Blitzkrieg“ deswegen. Aber dann dachten sie… mal was anderes als immer
Industrial und Gothic und so düsteres Zeug… Hab einen Text geschrieben über so
einen Cowboytypen, den ihr eh nicht kennt…



SAMINEH (lasziv ihre von einer knappen
Jeans-Hotpants umspannte Hüfte kreisend, guckt etwas skeptisch als Bettina
„Cowboytyp“ sagte, spielt dann Luftgitarre und – obwohl es nicht zu der Musik
um sie herum passt – Luftsaxophon.)



BETTINA (schlägt demütig die Augen
nieder
):



Ich weiß was du
meinst, kenne deine Prioritäten, aber das „HEY! HO!“ hatte andere Pläne mit
mir…




SAMINEH (immer noch Arme und Beine am
Bewegen
)


Naja, Jazz ist ja auch nicht so deins… Das
war was mich jetzt so interessiert hätte, weißt du?



BETTINA



Dieser Texas-Jodler, dieser Trucker-Held
ist halt vor kurzem verstorben…



ALLE IHRE FREUNDINNEN IM CHOR



Texas-Jodler?



BETTINA



Tex Connelly…



BETTINA



Ihr kennt ihn?



SAMINEH



Betty, ist das dein Ernst? (sie stimmt
Tex Connelly’s Song „Texas Yodeling“ an
)



Die anderen
jungen Frauen nicken alle - auf verschiedene Arten.




BETTINA



Ähmmm…………jedenfalls der Produzent ist auch
wichtig…….



Die
Freundinnen stimmen bis auf Bettina jetzt alle mit ein, Yana mit ihrer dunklen
Stimme, Merle mit ihrem Bremerhavener Zungenschlag.


BETTINA



Ähmm, aber…der Produzent ist auch wichtig…



SAMINEH (die Stirn runzelnd)



Was hast du immer mit deinem Produzenten?



BETTINA (zieht ein Buch aus ihrer
Lederjacke hervor
)






…hier guckt mal, ich habe Woody Norman
interviewt…das heißt eher versucht…hier Reverend Douglas, irgend so ein
Religionsheini, mit dem Tex Connelly befreundet war… ach ja, und hier… SID
SILVER, dem Produzenten seines REAL AMERICAN SONGBOOK.



MERLE



Warum hast du das Ding nicht beendet?






SAMINEH





Ob wir mal am Tresen fragen sollen, ob die
was von dem Gejodel und Gekrächze haben?

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Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 00:51























STRASSENBAHN IN BREMEN
INNEN/TAG



MERLE



Und dieser Typ über den wir geschnackt
haben, dieser Danny ??? ist ein deutscher Schlagersänger, der in Amiland super
angesagt ist?



BETTINA



Nee, nicht angesagt, gilt da wohl eher als
so ne Art Witzfigur, haben wir im Rahmen von so nem Country-Festival entdeckt,
obwohl das eindeutig kein Country ist sondern wie du schon sagtest, Schlager.



MERLE



Hmm, was interessiert dich jetzt an dem
Macker? Willste sein Groupie werden, oder…?



BETTINA



Nee, glaub er steht eh mehr auf Kerle… Na,
aber du weißt ja dass ich für das HEY! HO! so einen Artikel schreiben soll… Glaube
der Typ hat so einen Hau, das könnte interessant werden.



Merle zieht
die Stirn in Falten und guckt missbilligend. Sie bemerkt, dass das Nieselwetter
draußen langsam aufhört.





BETTINA



Kommt jetzt wieder ein Vortrag, was für
eine abgewichste Zynikerin ich bin?



MERLE



Nööö, bin ja selber gespannt, was jetzt
kommt.



Sie kommen
beim Hausboot an, welches zwischen den schicken Schiffen, die sonst hier liegen,
auf romantische Art runtergekommen wirkt. Die beiden gucken kurz gen Himmel ob
sie einen Schirm benötigen, aber der Regen hat aufgehört. Ein bisschen frösteln
sie doch.



Sie steigen
die Treppe hoch, fassen sich an den Händen und küssen sich.




Bettina
klingelt. Danny macht auf.



Merle guckt
gleichzeitig verschmitzt, neugierig und irritiert.



Danny trägt
anstatt seines üblichen lila-orange-rosa-karierten Anzugs einen
lila-orange-rosa-karierten Bademantel. Er scheint verkatert und ist außerdem
schlecht rasiert, aber grundsätzlich gut gelaunt und redefreudig.





DANNY



Moin, dich kenn
ich doch, du warst auf meinem Konzert. Fans sind bei mir immer willkommen, hast
du noch eine Freundin mitgebracht? Immer rein in die gute Stube!




Merle wirft
Bettina einen verstohlenen Blick zu, den diese nicht erwidert. Sie gehen in das
Hausboot, immer noch Händchen haltend.





HAUSBOOT VON
DANNY ROSSY
INNEN/TAG




Der Kahn von
Danny ist eine seltsame Mischung aus Museum, Wohnzimmer und Müllhalde. Sofa und
Couchtisch ganz bürgerlich, aber dann überall auf dem Boden leere
Lebensmittelverpackungen und Essensreste verteilt. An den Wänden alte
Tourplakate, sowie Fotos, die ihn mit Tex Connelly und anderen (mehr oder
weniger) Prominenten zeigen.



Die beiden
Frauen setzen sich an einen kleinen Tisch, Danny kommt mit drei Tassen, einer
Dose Cappuccino und jede Menge Wurst und Schokopudding wieder. Begleitet vom
Ausstoßen freudiger und überraschter Laute öffnet er die Dose und gießt den
Cappuccino ein.



DANNY



Du Scheißpulver gehst jetzt in die
strohdoofe Tasse, sonst kannst du was erleben!



BETTINA



äääh, Danny…wie möchtest du eigentlich
genannt werden, eigentlich heißt du doch Manfred, oder?



MERLE



Manny klingt doch gut, oder, höhö…



BETTINA



Dann Manny, wenn du nichts dagegen hast…





Danny zuckt
mit den Schultern und grummelt sich etwas in den Schnurrbart.



Schweigendes
Kaffeetrinken von Seiten der beiden Frauen, Danny stopft Wurst und
Schokopudding in sich rein, kommentiert dabei jeden Biss lautstark, Merle und
Bettina werfen sich Blicke zu. Seine Art zu sitzen ist ziemlich schräg, sein
Hintern berührt nur ganz leicht den Stuhl.



BETTINA



Äh..Danny…Manny…Herr Olschewski…weswegen
ich ja eigentlich hier bin…


Ein Handy
klingelt, Danny hat einen seiner eigenen Schlager als Klingelton.





DANNY



Was willst du?



Stimme am
anderen Ende der Leitung.



Danny geht
schnaubend und mampfend in die Küche.





DANNY



Jaaa, hab ich dir doch gesagt, hier sind
zwei so Weiber, zwei so Trullas bei mir in der Bude. Die eine hab ich drüben in
den Staaten kennengelernt, will mich wohl für irgend so ein Käseblatt
ausfragen. Über Tex. Läuft rum wie die letzte Nutte, mit Strapse und so hohen
Stiefeln. Ihre Freundin is’n bisschen schicker, hat aber’n Pferdegebiss, und so’n
Lockenkopp. Vielleicht magste mal vorbeikommen, hehe, eine von den beiden
klarmachen? Der Lockenkopp hat ’ne ziemliche Oberweite, da stehst doch drauf,
oder, höhö…Nee?



Bettina und
Merle sitzen immer noch am Wohnzimmertisch, Bettina eher belustigt vom eben Gehörten,
während ihre Freundin noch blasser als eh schon wirkt.



MERLE



Nee, weißte, das muss ich mir nicht
anhören. Vielleicht magst du mit diesem Spinner noch deine Zeit verbringen, ich
geh jetzt.



Merle nimmt
sich ihre Sachen und verlässt das Hausboot. Als sie weg ist, kommt Danny
zurück.





DANNY



He? Wo ist denn deine Freundin hin?



BETTINA



Sie musste weg…hatte noch einen Termin…ihr
Freund wartete…





Danny setzt
sich wieder hin und schmiert ein Butterbrot nach dem anderen, zwecks Verzehrs.
Er macht den Fernseher an. Eine Zeichentrickserie mit Country-Musik als
Titelmelodie. Bettina ist interessiert. Irgendetwas an der Sendung scheint bei
ihr längst vergangene Erinnerungen wachzurufen. Sie konnte sich jetzt nicht
mehr vom Bildschirm lösen.





BETTINA



Wow. Wie heißt diese Sendung?



DANNY



„Wyatt Earple“. Voll geil, Tex hat im
Original die Titelmelodie, ich in der deutschen Version. Total witzig, handelt
von so ner Ente als Sheriff. Ballert immer alle zusammen, höhö. Peng, Peng!



Bettina guckt
weiter fasziniert darauf, was in der Flimmerkiste passiert, gleichzeitig fängt
sie jetzt auch an Wurstbrote und Schokopudding zu verzehren. Sie fängt an
intensiver zu betrachten, was an den Wänden hängt, irgendwann fasst sie sich
Mut und spricht Danny direkt an.



BETTINA



Manny. Wirklich leckeres Essen, leckerer
Cappuccino und alles, aber eigentlich bin ich ja wegen etwas ganz anderem hier.


Danny kann
jetzt seinen Blick endgültig nicht mehr vom TV lösen. Er geht richtig mit,
kommentiert wie beim Essen alles. Wenn auf dem Bildschirm geschossen wird,
ballert er selbst mit ausgestrecktem Zeigefinger und Daumen in der Luft rum.





BETTINA



Obwohl. Guck ich mir jetzt erstmal die
Sendung an.



Beide sehen
nun gebannt nach vorne, Bettina geht auch voller Begeisterung mit. Nach einer
Weile fasst sie sich doch ein Herz und spricht Danny nochmal direkt an.



BETTINA



Manny, wie war das jetzt mit dir und Tex
Connelly?



DANNY



Tex. Tex. Tex. So ein schöner Mann. Wenn
er seine Cowboy-Klamotten trug, diese Hosen, wie hießen die, wo der Hintern
frei war, aus Leder die. Dann so eine geile Stimme, wie er gejodelt hat. Aaaah.


Danny weint
jetzt hemmungslos, schluchzt Tex‘ Namen vor sich hin.





BETTINA



Ähm. Manny, Manny, was ich dich fragen
wollte. Es gab noch nie eine Frau in deinem Leben, oder?



DANNY



Wie? Was? Hältst du mich für schwul? Äh,
igitt, bäh, überall diese Schwulen, kann sie nicht mehr


sehen, ganz Deutschland voll davon, ganz
Amerika voll davon, überall im Fernsehen nur noch Schwuchteln, wenn man auf die
Straße geht, überall! Tex, Tex, das war noch ein richtiger Kerl!



Er wird jetzt
richtig wütend, schmeißt mit Essen und Kissen um sich, Bettina weicht zurück.
Sie fängt jetzt an zu beschwichtigen.



BETTINA



Manny, Manny, ist ja schon gut. Hast du
noch ein paar Folgen von dieser Entenserie? Die mag ich nämlich auch sehr
gerne.



Sie nehmen auf
dem Sofa Platz, Bettina lehnt sich an Danny, essend und Cappuccino schlürfend
genießen sie die Wyatt-Earple-Folgen.




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Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 00:59

LONG BEACH, NEW YORK, WOHNHAUS VON SID SILVER
AUSSEN/TAG




In einer
Touristengegend am Strand gelegen, prachtvoller Backsteinbau. Long Beach –
anders als sein Gegenstück in Kalifornien diesig, nasskalt, voller
Möwengekreische. Stranddüfte,
Hafengerüche bereichern die Luft. Silvers Hitschmiede, unscheinbar und
repräsentativ, beides zugleich. Ostküste gegen Westküste. Große Teile des
amerikanischen Sounds, hier ist der Ursprung. Kaum vorstellbar, dann Bettina.
Kleine, süße, rebellische, mürrische Repräsentantin vom alten Europa.
Killer-Karnickel vor gigantischem Möhrenwald. Beißfreudig, kratzbürstig,
niedlich.





Bettina – mit
Aufnahmegerät in der Hand – klingelt.





Die Tür geht
auf, Bettina betritt das Foyer. Überall goldene Schallplatten, eine große
Plastikstatue von Godzilla. Gerahmte Bilder, Celebrities, gelegentlich bunte
abstrakte Gemälde, Pop-Art-Werke, Country- und Rockmusiker als Comicfiguren.
Godzilla zerbeißt LP, zertrampelt weitere Platten. E-Gitarren, Instrumente.






[font='&quot']Sie betrachtete
ihn. Wie er da steht, mit seinem langen, zotteligen Bart, der zu zwei Zöpfen
geflochten war, mit seiner großen Nase, mit seinem coolen
Industriemenschen-T-Shirt, mit seinen ebenfalls zu Zöpfen geflochtenen langen
Haaren. Wenn man sich eine Pelzmütze dazu dachte, wirkte Silver wie aus einem
alten Schwarz-Weiß-Film, den Bettina vor ewiger Zeit sah, über irgendeinen
russischen Zaren, mit seiner scharfgeschnittenen Nase und seinem starren Blick,
seinen zackigen schwarzen Augenbrauen. Wie eine Mischung aus einem Wikinger und
dem Chapterführer einer Rocker-Gang. Nur dass die Mannen aus dem Norden meist
rote oder blonde Bärte hatten – so weit Bettina im Geschichtsunterricht richtig
aufgepasst hatte.[/font]



SID



Hi, ich bin Sid.



BETTINA



Hmm. Bettina
Borchers vom „Hey! Ho!“-Magazine.



[font='&quot']Sie
folgte - bemüht um eine cool-schlurfige
Haltung, um nicht gegen die zahllosen Kartons und anderes, was auf dem Boden
lag zu stoßen - dem Rockinger ins Musikzimmer. Dieses hatte die
charakteristische Mischung aus Luxus, Stil und Camp, wie es wahrscheinlich
Silvers gesamtes Domizil hatte. Groß, kahle weiße Wände, leere Fläche bis auf
ein Bild und eine Büste. Riesige Lautsprecherboxen, ein Plattenspieler aus
Marmor und teurem Tropenholz. Daneben Ständer mit LPs. Alles machte einen
ziemlich gewienerten, aber gleichzeitig benutzten/bewohnten Eindruck.[/font]



SID



Setzen Sie sich. Eine Cola, ein Energydrink, ein Wasser? Ist leider
noch alles ziemlich unordentlich in meiner Bude, aber ein ordentlicher Drink
sollte wohl aufzutreiben sein.



BETTINA



Haben Sie Whisky?



SID



Haha, wenn’s schon
um einen Country-Sänger geht, dann richtig? Tex hatte ja mal so eine Art Method
Acting gemacht, für sein Konzeptalbum, indem er sich dem Leben der Cowboys
widmete. Um besonders authentisch zu wirken – er wollte nicht die Klischees aus
Hollywood-Filmen reproduzieren – lebte er eine Zeitlang tatsächlich in New
Mexico als Rinderhirte.



BETTINA



Hmmm-Hmmmm.



SID



Wir haben leider nur
Bourbon, was trinkt man denn in Bremen?



BETTINA



Man kennt Bremen in
Long Beach? Beck´s, Haake-Beck, krasse Typen auch Astra.



SID



Haha, ihr Europäer
mit eurer Vorstellung von uns ahnungslosen Yankees. Mir gefällt Ihr T-Shirt,
Miss Borchers.



BETTINA



Ah ja?






SID



„Bolzenschneider“,
das ist ein deutsches Wort für…? Ist das eine Band?



BETTINA



Ja, ist aber eher so
kultig, eigentlich keine gute Band, mehr so...Klischee-Metal. Wie Manowar auf
Deutsch.



SID



Interessant. Ich
liebe Obskuritäten aus aller Welt. Setzen Sie sich übrigens, mein Haus ist Ihr
Haus!



BETTINA



Aha. Ihr T-Shirt
gefällt mir auch gut, Mr. Silver. Und steh ganz gut, trink auch gern im Stehen.



SID



Hab ich mir gedacht.
Der Sänger der „Industriemenschen“ war großer Fan von Tex Connelly, wie
übrigens ein Großteil der Punkszene.



BETTINA



Ist das so?



SID



Ja, Betty. Wenn ich
Betty sagen darf? Viele – sowohl im alten Europa als auch hier in den Staaten –
machen den Fehler Country auf eine reaktionäre Haltung zu reduzieren. Dabei
kann diese Musikrichtung genau so viel Schweiß, Sex, Energie und Rebellentum
verkörpern wie Soul, Blues oder eben Punk.



BETTINA



Hm, tja. Wenn man
diesen Tex produziert hat, weiß man das wohl.




SID



Ich war nicht
einfach sein Produzent, sondern auch ein guter Freund, wenn man das so sagen
darf. Betty, Sie scheinen noch etwas skeptisch, darf ich Sie bei Gelegenheit
auf ein paar Lakritzpizzas einladen?


Lakritzpizzas? Bettina kannte nur Cabones.


SID


Achso, den Begriff
kennt man wo Sie herkommen nicht so, so wie ich keine Ahnung habe was ein
„Bolzenschneider“ ist. Ich meine natürlich Schwarzes Gold, also Vinylplatten.



BETTINA



Hmm, ist das eine
Einladung? „Bolzenschneider“ bezeichnet übrigens eine große Zange, zum
Durchtrennen von Gittern und ähnlichem.

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Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:04




REDAKTION „HEY! HO!“, BREMEN
INNEN/TAG





BETTINA (wie immer
in Lederjacke, Leoparden-Minirock, Leopardenslip, rot-weißen Strapsen, hohen
schwarzen Stiefeln mit Spange, sowie T-Shirt mit Anarchie-Symbol bekleidet.



[font='&quot']Sie nimmt
gegenüber den fünf Redakteuren auf einem Stuhl Platz. Ihr Blick eine Mischung
aus Abgeklärtheit und Erwartung. Verzieht etwas das Gesicht bei den ganzen
dicklichen, schwitzenden Männerkörpern. Angespannte Stille im Raum, bis einer
der Redakteure seine Stimme erhebt.[/font]



REDAKTEUR, auf
seinem T-Shirt ist eine ausgestreckte Zunge zu sehen



Bettina, du hast
vielleicht mitbekommen, dass der Country-Sänger Tex Connelly gestern verstorben
ist. Für meine Generation war der Cowboy-Sound damals eher ein Feindbild. Die
wichtigste authentischste Wurzel der Musik, die wir hörten, kam aus den
Baumwollfeldern des Mississippi, das, was die Jungs von der Landstraße jodelten,
empfanden wir als reaktionär und hinterwäldlerisch.



[font='&quot']Bettina
guckt skeptisch. Allein auf ihrem Stuhl, wie vor einem Tribunal, klammert sich
– immer noch um größtmögliche Coolness bemüht – mit den Händen am Sitzmöbel
fest. Einschüchternd das Gesamtbild des ganzen Redaktionsraumes.[/font]

[font='&quot']
[/font]



EIN REDAKTEUR,
dessen Shirt ein Smiley mit zweimal X statt Augen sowie einer ausgestreckten
Zunge ziert


Ja, aber wir
jüngeren Semester entdeckten irgendwann das Rebellische in der Musik von Tex,
wie sehr das Leben bei ihm Spuren hinterlassen hat, und seine Texte erst.
Absolut unglaublich!



[font='&quot']Bettina,
jetzt schon etwas interessierter, hebt ihren Kopf leicht an. [/font]
[font='&quot']
[/font]


Jetzt ein REDAKTIONSMITGLIED,
auf dessen Bauch ein sehr muskulöser Mann mit freiem Oberkörper zu sehen ist,
welcher eine Flagge schwenkt, zeigt mit dem Daumen eben auf den Muskelprotz



Tex Connelly ist die
Country-Entsprechung hierzu!



[font='&quot']Unsere
Lieblings-Punkerin jetzt wieder eher belustigt als überzeugt. Der Typ, der das
sagte, sprach sie auch als Mann nicht sehr an.[/font]

[font='&quot']
[/font]



Die Brust DES
NÄCHSTEN REDAKTEURS schmückte ein Abbild der englischen Königin, durchbohrt von
Sicherheitsnadeln, daneben Schrift in Erpresser-Manier. Er sagt:



Weswegen wir dich
hierher gebeten haben, Bettina: Zumindest ich schätze dich als sehr gute
Autorin unseres Magazins, gerade was Punk angeht, bist du eine Expertin.
Vielleicht magst du dich etwas öffnen, für andere Musikrichtungen, die zwar auf
den ersten Blick nichts mit deinen Favoriten zu tun haben, aber man lernt ja
nie aus.



[font='&quot']Bettina
jetzt wieder aufmerksamer.[/font]
[font='&quot']
[/font]


ZULETZT EIN T-SHIRT,
ADLER MIT BASEBALLSCHLÄGER UND OLIVENZWEIG



Bettina, du Süße,
machst einen auf hart, bist aber innen flauschig und knuffelig. Weißte
Sweetheart, was das richtige für dich wäre? Mal was anderes, nen
Tapetenwechsel, frische Luft, die Rübe durchpusten! Raus aus dem muffeligen,
stickigen good old Germany, rüber übern großen Teich, rein in das Land aus dem
Rock’n’Roll und Surf stammen! Mit anderen Worten: Wir von der „Hey!
Ho!“-Redaktion würden dich gerne rüber in die Staaten schicken, damit du einen
Artikel über den großen Tex Connelly schreibst! Na, wäre das was für dich?


[font='&quot']Bettina
jetzt geplättet, muss sich erstmal sammeln.[/font]



BETTINA


Ich wartete jetzt
die ganze Zeit auf einen Auftrag. Und um aller meiner Sünden willen gabt ihr
mir einen.

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Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:11

HOTELZIMMER, IRGENDWO
IN DEN USA
INNEN/SPÄTABENDS




Bettina
Borchers und Kirsty Douglas betreten den Raum, stinknormales Hotelzimmer mit
den dafür normalen Gerüchen und der normalen Helligkeit. Aus dem Fenster sieht
man wie duster es draußen ist. Bettina in leicht verratztem Outfit, Lederjacke,
weißes T-Shirt mit schwarzem Anarchie-A, breiter Nietengürtel, Minirock,
Strapse, Stiefel, Schleifchen im roten Haar. Kirsty dagegen die blonden Haare
zu einem strengen Dutt gebunden, Rollkragenpulli (gelb und hellbraun geringelt)
und Jeans. Verlebte Coolness, unbedarfte Nerdigkeit.



Bettina zieht
sich aus, Kirsty geht ins Bad, um sich einen Schlafanzug anzuziehen.








KIRSTY



Betty, Süßes, was machst du da?



BETTINA



Schreibe mit einer Freundin in Bremen.



KIRSTY



Aber du ziehst dir schon noch was an,
oder?



Bettina guckt
irritiert, Kirsty versucht den Blick abzuwenden, raus in die Nacht. Setzt sich
in etwas unsicherer Körperhaltung auf ihr Bett, den Rücken Bettina zugewandt.



BETTINA



Wieso, sind doch keine Typen hier dabei,
wir sind doch unter uns.



KIRSTY



Wenn… wenn du meinst…



BETTINA



Haha, ihr prüden Amis müsst mal wieder
alle Klischees über euch bestätigen.




KIRSTY



Läuft… läuft… ihr Europäer immer nackt
rum, wenn ihr zuhause seid?





BETTINA



Nur in Frankreich und Skandinavien,
deutsche Frauen sehen meist nicht so gut aus wie ich, von daher bei uns
weniger.



KIRSTY



Achso.



BETTINA



Hahaha!



KIRSTY



Hm.



BETTINA



Du bist ja richtig leichtgläubig. Obwohl –
einmal auf einer Klassenfahrt, da hatt’ ich mich tatsächlich mal, als wir mit
zig Mädels in einem Riesenschlafsaal lagen, hab ich mich als einzige
ausgezogen, und alle anderen dann aus Solidarität ebenfalls.



Kirsty wird etwas rot, versucht immer noch den Blick abzuwenden. Dass
die Lederjacke, der Minirock undsoweiter von Bettina einfach auf dem Boden
herumliegen, scheint sie zu irritieren. Immer noch angespannte Haltung.



BETTINA



Hmm, warum bist du immer noch so verlegen?
Wie du da schon sitzt, mach dich mal locker. Du bist eine von diesen typischen
Amerikanerinnen, bestimmt voll fromm erzogen, oder? Bin ja selber bei den
Evangelen aufgewachsen, aber heute glaub ich den Scheiß nicht mehr. Interviewe
ja für meinen Artikel Freunde von diesem Tex Connelly, darunter war auch so ein
komischer Fernsehprediger – Reverend Douglas heißt er wohl. Bäh, hatte der
widerliche Ansichten. Schwule abartig, Frauen an den Herd, Juden sollten am besten
alle zu seinem komischen Christentum übertreten – mein Freund Sid ist übrigens
Jude! Kennst du diesen Vogel, Kirsty?



Kirsty scheint
jetzt sehr verlegen, noch verlegener als sowieso schon.





KIRSTY



Ja… ähm… ja…



BETTINA



Und? Hab ich einen wunden Punkt getroffen?
Bist du Mitglied in seinem komischen Verein („Gemeinde“ sagt man wohl)? Oder
teilst du sogar das kaputte Zeug, das er ständig von sich gibt, gehst du damit
konform?



Kirsty
verkriecht sich hinter ihrer Bettdecke.





KIRSTY



Er… er ist… mein Großvater!


Bettina pfeift
jetzt zwischen den Zähnen.





BETTINA



Oho. Kommst aus einer richtigen Dynastie
von solchen Spinnern.



Kirsty immer
noch hinter ihrer Bettdecke, stiert vor sich hin.





BETTINA



Okay, merk schon, das Thema ist dir
unangenehm. Mal was anderes: Dich haben sie auf „Norwegian Woodstock“
angesetzt, diese obskure Nacktcombo? Kannst du mir dazu was erzählen? Den Namen
fand ich ja schon immer klasse, klingt wie so ein Metalfestival…



Nachdem sich
Kirsty wieder etwas beruhigt hatte, schien ihr das Gespräch jetzt wieder
unangenehm zu sein.





KIRSTY



Ja, diese Band ist wohl ein etwas
eigenartiges Phänomen. Hat wohl bei sehr vielen… wie soll man das nennen?...
Brennpunkten der Musikgeschichte eine Rolle gespielt. Und der Filmtitel
„Apocalypse Now“ geht wohl auch auf sie zurück. Die Sängerin hat übrigens ein
bisschen Ähnlichkeit mit dir!



BETTINA



Ich weiß, ich weiß. Und jetzt setzen sie
dich prüdes Mauerblümchen auf diese rockende Hippie-Kommune an! Scheint sowas
wie ein neues Konzept unserer Zeitschrift zu sein, „Gegensätze ziehen sich an“.
Bei mir… bin eigentlich offen für alle Musikrichtungen, aber Country, Folk, war
bislang nicht so meins. Obwohl (oder weil?) meine Eltern größere
Woody-Norman-Fans sind.



KIRSTY



Ähm.. ja… mag sein… aber „Norwegian
Woodstock“ sind wirklich interessant, aus dem Märchenwald kommend haben sie bei
Motown, Punk, überall mitgemischt, bin gespannt, welche Mitglieder ich noch
auftreiben kann…


Bettina – immer noch nackt – liegt jetzt verführerisch auf ihrer
Bettdecke, ein bisschen wie auf einem Gemälde von Ingres oder Goya.


BETTINA



Ja, wie auch immer. Du hattest noch nie
was mit Jungs, richtig?



Kirsty starrt
vor sich hin.



BETTINA



Blöde Frage, ich weiß. Magst du mit mir
unter die Decke?



Kirsty’s Augen
weiten sich, ihr Mund geht auf.



BETTINA



Dann nicht. Dieses komische kahle
Hotelzimmer mit seinen ekligen Chemie-Düften lädt auch nicht gerade zu subtiler
Erotik ein. Meine Freundin in Bremen, mit der ich eben geschrieben habe – die
ist scharf, weißt du? Vornehmes Profil, irgendwo zwischen 20er Jahre und
antikes Griechenland, kurze dunkle Locken, dicke Titten, kleines sexy Tattoo.



Sie überlegt
noch etwas, zieht sich dann doch ihren abgelegten Slip und ihr T-Shirt über,
verschwindet unter der Decke und macht das Licht aus. Alles duster jetzt.



BETTINA



Aber irgendwann schwimmen wir nochmal
textilfrei im Hotel-Pool, damit du etwas von europäischer Freizügigkeit
abbekommst.

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Blitzkrieg Tezuka

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15

Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:19

ANWESEN VON WOODY NORMAN INNEN/TAG







„Blitzkrieg“
Bettina Borchers im Foyer des Hauses, welches Folksänger Woody Norman bewohnt.
Wie immer ihr übliches Outfit: Lederjacke, Band-Shirt, Minirock, Stiefel,
Strapse, in einer Sitzecke, sie starrt auf einen riesigen Bildschirm.
Pseudocoole Körperhaltung, reell erwartungsvoll, angespannt. Aufnahmegerät und
Notizblock zur Hand. Dem Geruch nach gediegenes Westernfeeling, alles
ordentlich-aufgeräumt.





BETTINA (Voice Over)



Woody Norman, Protestsänger, Stimme seiner
Generation. Idol meiner Eltern. Kleines verhutzeltes Männchen mit
Schaffellweste, Mundharmonika, dann seine Stimme. Knisterndes Schmirgelpapier
zu himmlischer Lyrik. Große Überraschung bei mir, die Freundschaft zwischen ihm
und Tex Connelly, „der Polarstern nach dem man sich richten kann.“ So der eine
Freund über den anderen. Entgegengesetzte Fixsterne am Firmament der damaligen
US-Gesellschaft. Brodelnder Protest, pazifistisch, militant, jung. Keine Schafe
mehr, wildere Tiere. Mochte mein Umfeld diese Leute? Konservative Szene,
Stetson, Trucker-Romantik, Blue Yodel. Stiernackige Rednecks, Könige des
Highways, Schrecken der Raststätten. Gab es Schwarze und Schwule in den Reihen,
oder alles reaktionär?



Ich, Betty, hier, in dieser riesigen
Halle. Sogar noch protziger als die Bude von Sid, dabei stand der Besitzer mal
für Gegenkultur. Soll warten, wurde mir beschieden. Sind jetzt schon zwei
Stunden. Starallüren? Wende meinen Blick auf den Bildschirm, irgendeine
Preisverleihung von Anno Tack.



Sehe genauer hin, das ist ja Tex! Tex
Connelly, der Country-Barde, über den ich schreiben soll! Weiß nicht wie Ton
angeht, aber hole aus meiner Tasche die Unterlagen mit den biografischen Daten,
die mir die „Hey! Ho!“-Redaktion als Richtschnur mitgegeben hat. Tatsächlich,
Anfang der 70er, genauer 1972, gab es da wohl mal einen Skandal. Connelly
sollte den „Academy of Country Music Award“ bekommen, so eine Art Oscar für
Cowboy-Klänge. Und, naja, er hatte ihn wohl nicht angenommen, weil ihm die
Diskriminierung von Ureinwohnern in Westernfilmen und auch sonst in der
Gesellschaft nicht gefiel. Das waren wohl auch die alten Aufnahmen, die ich vor
mir sah. Großer Tumult im Publikum. Hmm, wie war das bei mir, als kleines
Mädchen war ich vernarrt in Indianer, hab Bücher drüber gelesen, aber mich auch
gerne verkleidet. Wenn ich jetzt so nachdenke… vielleicht ist dass das
Bindeglied zwischen Woody dem Rebellen und Tex dem Cowboy? War letzterer
vielleicht gar nicht so reaktionär, obwohl er der Held dieses Genre war? Fließt
denke mal alles in meinen Artikel ein.



Eine Frau kommt durch die Tür, meint dass es ihr sehr leidtue, Mr. Norman habe heute keine Zeit.

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Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:28

STAUBIGE LANDSTRASSE
IRGENDWO IM MAINLAND DER USA AUSSEN/TAG




Bettina in einem Greyhound-Bus. Selbst genauso voller Staub wie die Straße, auf der sie
fuhr. Ihre abgewetzte Lederjacke. Gebückt. Den Notizblock umklammernd. Müder
Blick. Ihr wurde gesagt, dass sie hier den legendären Coughin‘ McArthur Wilson
findet, Tex Connelly’s erklärtes Vorbild.





BETTINA (Voice Over)



Bus. Haltestelle. Dieser Maler, wie hieß
er, Dennis Hopper? Ach nee, Edward. Hotelzimmer, Tankstellen, Bürogebäude,
Amerika. In irgendeinem Hitchcock-Film eine Szene die daran erinnerte, so jetzt
auch hier. Obwohl, Dennis H. wäre jetzt auch ein witziger Kontrast, statt Punk-Lady
im Greyhound Hippie-Girl auf Motorrad?
Wie auch immer, einsame BUS STATION,
weite, doch irgendwie öde Landschaft, was ist dahinter? Kleiner Trampelpfad,
ich mit meinen schweren Stiefeln drauf. Hier unter diesem klaren Himmel wohnt
also der letzte Vertreter der musikalischen Ursuppe namens Blues, nicht im diesigen
Mississippi-Delta. Klarer Himmel, keine Mückenplagen, kühles Wetter, nichts mit
Luft, die man schneiden kann.



Eigentlich archaisch und urwüchsig, doch
dann, die Moderne, im Retrogewand. Gitarren, lila, in anderen Primärfarben,
aufgereiht am Rande des Weges. Eine lange, aber nicht trostlose Reihe der
Symbole vergangener Pop-Kultur. Und hier jetzt eine Reise ins Innere der
Finsternis, zu den Wurzeln jeglicher populärer Musik. Ja, Jazz, Rock,
Rock’n’Roll, Country – alles kommt von den Banjo-Zupfern aus dem
Mississippi-Delta.
Wurde Tex Connelly während seiner Army-Zeit nicht
unterstellt es nicht zu mögen, wenn seine schwarzen Kameraden mit ,,deutschen
Frauleins“ ausgingen? Südstaatenkind eben? Hat ihn die Musik davon befreit,
oder war er… immer noch… ?



Was erwartet mich hier eigentlich - eine
Blockhütte in der der Blues-Opa Coughin‘ McArthur Wilson immer noch auf seiner
Klampfe rumzupft, immer gleiche 2-Akkord-Songs über Arbeitslosigkeit, Hunger,
Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Brotlosigkeit und ähnliche Sorgen? Alter
Mann im Schaukelstuhl, gesamte Musikgeschichte auf seinen Schultern.


Kein Holzhaus aus Holzbalken, auch nicht
irgendeine Baracke oder ein schickeres Anwesen. Stattdessen ein Kreuz aus eben
diesen Balken, gerammt in die Erde.

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Blitzkrieg Tezuka

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17

Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:45

STRASSENBAHN IN BREMEN,
BETTINA AM HANDY.
INNEN/MITTAGSZEIT


BETTINA (aufgeregt)



Eye, geh ran. Du alter Schwachmat, hast mir
die verkackte SMS geschickt, und jetzt erreich’ ich dich nicht.


Sie tippt wie
wild auf ihrem Handy rum, schwitzt und läuft rot an.



Sie keucht noch
etwas und versucht sich zu beruhigen. Eine kleine Flasche Wasser aus ihrer
Lederjacke, ab an die Lippen.



Das Handy
klingelt. Bettina – ohne eine Miene zu verziehen – geht ran.





BETTINA



Wer ist da? Manny? Hä? Kann nix verstehen…
wer sind Sie? Ja, ich komme…



Bettina, auf
ihrem Gesicht jetzt Schweiß und Tränen, in ihren Augen wird die Coolness mit
einer Mischung aus Verletzlichkeit und Verwirrung durchbrochen. Erstmal muss
eine Dose Bier her.





HAUSBOOT VON DANNY.
AUSSEN/MITTAGSZEIT




Bettina betritt
den Steg, holt ihren Schlüssel raus und schließt auf.





Im Hausboot
selbst sieht es schlimm aus. Die Bilder sind von der Wand gerissen worden, Bier-
und Schnapsflaschen liegen herum, Bettina hört Schluchzen.



Sie manövriert
sich durch den Schutt, den Dreck und den Abfall. Dabei macht sie ihre
Lauscherchen auf, ob sie herausfinden kann, woher das Geräusch kommt.



Sie geht in den
nächsten Raum, dort trifft sie Josefine und Danny. Danny bäuchlings auf dem
Boden, halbnackt, Josefine mit abgewandtem Gesicht, ganz nackt.



Josefine, eine
Frau. Wahrscheinlich Mutter. Slawisch, stolz, vulnerabel. Weniger ideale
Schönheit im Sinne der Gesellschaft. Erwartete Schönheitsmerkmale wie lange
Haare, Schmuck, großer Busen nicht vorhanden. Dann halb mit dem Rücken zum
Betrachter. Zu Bettina also. Nicht ganz ablehnend, klare Haltung und Grenze.








BETTINA (vorsichtig, trotzdem
bestimmt-cool
)



Äh… wir hatten telefoniert?



JOSEFINE (leichter osteuropäischer
Akzent, tiefe Beklommenheit in der Stimme)



Ja. Ich bin Josefine.



BETTINA (bemüht einen ironischen
Unterton in der Stimme zu unterdrücken
)



Eine Bekannte von Manny?



Josefine sagt
nichts und zieht sich an, dabei immer noch mit dem Gesicht abgewandt.





Bettina steht
teilnahmslos daneben.





Danny Rossy
jetzt auf dem Sofa, leblos, buntgekleidet, nach Alkohol riechend.





Bettina fühlt
Puls und Herzschlag.





Ein Eisblock
beginnt zu schmelzen. Nach einigem Zögern umarmt sie Josefine, diese erwidert.








Bettina wieder
mit Bierdose in der Hand, gerade aus der Lederjacke hervorgezaubert. Aufs Sofa,
alte „Wyatt Earple“-Folgen geguckt.



JOSEFINE (immer noch mit abgewandtem
Gesicht)



Haben Sie…wissen Sie Kontakt von
Angehörige?



BETTINA (nach Schweigen)



Würd’ sagen wir sind seine Angehörigen.













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Blitzkrieg Tezuka

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18

Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:50

BREMEN WEBERSTRASSE,
INTERNET-CAFÉ „LIFT“, ca. 14:00 UHR
INNEN/FRÜHER NACHMITTAG




Kahle, etwas
schäbige Wände. Nicht die üblichen Klitschen, die zum Online-Zugang genutzt
werden, keine Chefsessel gedrängt zwischen abgekapselten Einzelsitzplätzen,
stattdessen offen, gemütliche Bar-Atmosphäre, hipstermäßig (wenn man zum
Zeitpunkt dieser Geschichte schon von Hipstern geredet hätte).



Bettina, Teetasse
in ihrer einen Hand, die andere an der Tastatur, gleich wird wohl ein neuer
Eintrag im „Hey!Ho!“-Forum drin sein. Versuchte Konzentration, gegen Jazz-Klänge,
welche das Café beschallen. Daher Kopfhörer auf.



Hintergrundbild
ihres PC-Bildschirms eine Micky-Maus-Skulptur, wäre Wyatt Earple vielleicht
angenehmer?



Rein ins Board,
damals blühte sowas noch, Nickname „Blitzkrieg Bettina“.



Eintrag im
Thread zu den verstorbenen Musikgrößen
, „R.I.P. Danny Rossy, der Junge mit der engelsgleichen Stimme“


Andere
Forums-Member melden sich, kriechen hervor, traurig, fordernd, provokant
.




DAVID VOLKSMUND



Schlager… der Blues der Deutschen…ist das
hier noch ein Rock’n’Roll-Forum…? Egaaal, hab damals auch zu Abba
abgetanzt…wenn das Bier die Kehle runter floss, zu den schönen Melodien…also
Rip (so sagt man wohl heute) Danny oder Penny oder wie du
heißt…*flaschweinaufmach*



FREDDIE FREELOADER



finde es etwas befremdlich, dass auf einer
internet-plattform, auf welcher es vornehmlich um musik gehen sollte, so ein
banaler unterhaltungsbarde überhaupt erwähnt wird. zumal wenn es von einer
moderatorin kommt, die zudem noch redakteurin bei dem namensgebenden magazin
ist.



BLITZKRIEG BETTINA



Haha, unser Freddie markiert hier wieder
den Hochkulturisten, hast du nicht auf diesem Board schon mal generell über die
schnöde Rock- und Pop-Musik abgelästert, hmm? Bist du mal aus irgend’nem
elitööören Jazz- und Klassikforum rausgeflogen, oder wie, oder was? Sogar unser
Herr Volksmund – seines Zeichens Anhänger des Agitprop-Sounds der Hippie-Ära –
entdeckt doch aus diesem Anlass seine weiche Seite. (Wobei die großartigen ABBA
natürlich nichts mit Schlager zu tun haben, und nicht ins Bierzelt gehören.)



FREDDIE FREELOADER



einigermaßen infam was ich mir hier von
moderatorenseite her anhören muss. überlege ernsthaft mich an den hiesigen
administrator zu wenden.



BLITZKRIEG BETTINA



Einigermaßen infam so einen Sermon nach
dem Tod eines Künstlers abzusondern, denkst du nicht, Herr Freeloader? Für
unser Freddielein nicht vorstellbar, dass Musik auch Leute berühren kann, die
nicht dem Tempel der Hochkultur entstammt?


GENOSSIN SCHULZ (skurriles Benutzerbild
mit 20er-Jahre-Flapgirl auf Motorrad, Benutzertitel: „Spacegirl In Exile“, Zahl
im Beitragzähler „1“)



Und es nicht infam sich einfach so viel toleranter und so viel weltoffener als andere
Leute zu stellen, wenn man selber mal ziemlich verbohrt war, Frau Blitzkrieg?
Find ja dass du dich da gegenüber unserm Fred ziemlich aus dem Fenster lehnst…


Erwähnte Frau
Blitzkrieg. Ihr Gesicht. Verstockt, Pokerface aufsetzend, nur BlitzBetty’s Lippen
gehen etwas auseinander. Irgendwas bebt, raus aus dem Café, ab nach Hause.





BREMEN FEHRFELD 65
(ÖSTLICHE VORSTADT, „VIERTEL“, HALTESTELLE VOR DEM STEINTOR). AUSSEN/FRÜHER
NACHMITTAG




Wir befinden
uns in der östlichen Vorstadt, die jeder, wirklich jeder, Viertel nennt.



Nebenan ein
Lokal namens „Piano“, wo Studententypen rumsitzen. Und eine Fahrradwerkstatt.



Fertig
aussehende Typen mit Hunden, dürr, ausgemergelte Gesichter, enganliegende
Hosen, Chucks, bei denen die Schnürsenkel direkt am Bein festgebunden sind.



Bettina vor
ihrem Haus. Nach Trennung von Sid. Fremd den Freundinnen. Amerika – große weite
Welt. Sie kleine, coole Maus. Was ist sie hier?



Rein ins
Treppenhaus, vorbei an geschmackvollen Schwarz-Weiß-Fotografien.



In den Keller,
eher unbekanntes Gebiet.



Karton. Foto
von ihr als Kifferin, jung. Davon erzählte sie Billy O’Shagg.



Fotos.


Ach, davon
erzählte sie Billy, sie selbst verdruckst am Strand, diesiges Wetter, mit ihrem
ersten Joint.



Wyatt Earple,
der renitente Enterich. Als Stofftier. Als Badekissen. Als Poster fürs
Mädchenzimmer. Bettbezug. Schlafanzug.



Kellertreppe
hoch, raus aus Haus, ab in Straßenbahn, Linie 1



FILIALE PHOTO DOSE,
BREMEN-NEUSTADT
AUSSEN/NACHMITTAG


Gediegener als
das Viertel, weniger Alternative, mehr gutbürgerliches Publikum. In den
Reihenhäusern Ältere, Familien mit Kindern. Aber deswegen nicht weniger
kriminell.



Die photo dose
Filiale in der Pappelstraße, gegenüber der Sparkasse, abgegriffener Slogan „So
fotografiert man heute.“ Drinnen Merle.



Bettina tut so
als würde sie ihre Freundin nicht bemerken und wühlt sich durchs aktuelle
Angebot. Merle hinterm Tresen, im Hintergrund noch einige Kunden im Gespräch.





MERLE (mit ihrem üblichen sexy Bremerhavener
Tonfall
):



Hey, Blitzkrieg.



BETTINA (nicht weniger lasziv-cool):



Moin, Genossin. Hast du deine alte
Kameradin entdeckt?



Man sieht jetzt
den Hinterkopf von Bettina, Merle ist am Tresen beschäftigt. Im Vordergrund
Kameras und ähnliches.






MERLE



Ja, so ist das hier in Beck’s-Town.
Dreimal ist Bremer Recht. So häufig haben wir uns getroffen, seit du aus
Ami-Land wiederkamst.



BETTINA



Fügung des Schicksals, hmm? Jedenfalls hab
ich mich auch selbst gefunden.


MERLE (ironischer, aber nicht lustig
machender, eher die eigene Emotion durch Coolness überdeckender Tonfall
)


Oho. Erzähl mehr.



Ein „Bin kurz
weg“-Schild wird draußen ins Fenster gehängt. Sie nimmt Bettina an der Hand und zieht sie
ins Kabuff. Dort legen sie sich auf den Boden, Kopf an Kopf.



BETTINA



Ich Kellerkind war bei mir im Keller, hab
da so ’ne Kiste gefunden.



MERLE



Was war denn drin? Erinnerungen an unsere
coole Teenie-Zeit?



BETTINA



Wer war denn cool von uns beiden, hmm?



MERLE



Tja, das war dann wohl ich. Dich nannte
man wohl, wie war damals der Schnack, heute sagt man „Nerd“-Mädchen, oder wie?


Beide lächeln
säuerlich, aber nicht bösartig auf Merles Seite.





BETTINA



Jaja, du warst die Queen auf dem Schulhof,
immer’n Spruch auf Lager, immer die Fluppe inner Kieme, ich hab ja bis in meine
Teenie-Zeit noch mit Plüsch-Wyatt-Earples gespielt. Und vor allem dein
Musikgeschmack. Du hast die coolste Mucke gehört. Mir was vorgespielt, mich auf
Konzerte genommen. Der erste Joint damals im Karibik-Urlaub, hab das Foto was
’de damals von mir gemacht hast gefunden. So bin ich die Bettina geworden, die
ich heute bin.



MERLE



Tja, so bin ich nun mal…







BETTINA



Und heute… bin ich die Coole, die in der
Welt rumdüst, und du hockst im Dorf mit Straßenbahn rum und vertickst
Knipsgeräte an irgendwelche spießigen Familienväter.


Bettina hatte
jetzt wieder diesen typisch norddeutschen Tonfall drauf den auch Merle hat. Sie
balgen sich scherzhaft, während sie sich die Kleider vom Leib reißen und
übereinander herfallen.

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 01:57

PRÄRIELANDSCHAFT, IRGENDWO IM MITTLEREN WESTEN
DER USA. DIESIGER, LEICHT BEWÖLKTER HIMMEL, SPÄTER NACHMITTAG



Bettina steigt
aus einem Truck…


Billy, bester Freund von Tex, Hippie-Mähne statt Stetson-Hut,
zusammengekauert, seine rothaarige Interviewerin erwartend.





Betty bemerkt,
dass das Country-Urgestein einen Joint in der Hand hält. Sollte dieser vor ihr
versteckt werden, er war doch eigentlich bekannt für seinen offensiven Umgang
mit seinem Marihuana-Konsum.





BILLY



Hey, du bist Betty, oder? Schreibst so’n
komischen Text über Tex, he?



BETTINA



Ja, Mr.O’Shagg, für die deutsche Ausgabe
des „Hey! Ho!“-Magazins.



BILLY



Cool. Du bist ja so ne richtige Rebellin
mit deiner Lederjacke, und dem Anarchie-Zeichen auf deinem Shirt. Wen hasten
schon alles interviewt?



BETTINA (verlegen auf cool machend)



Reverend Gordon S. Douglas.



BILLY



Ach du Shit. Diese verdammten Rednecks,
tun so als wäre Hanky einer der ihren gewesen. Dabei stand er fürs rebellische
Amerika. Dieser Style den du hast, den hat er als erster draufgehabt, ist so
vor Knackis aufgetreten und hat den Aufsehern den Stinkefinger gezeigt.



BETTINA



Hanky?



BILLY



Hanky Lee, so hieß Tex mit richtigem
Vornamen. Weiß Frau Journalistin sowas etwa nicht?



Bettina guckt
jetzt betreten.



BILLY



Du gehörst ’ner anderen Generation an.
Muss sagen, dass ich mit diesem düsteren Style nix anfangen kann. Bin mehr so
das Blumenkind. Als damals die Flower-Power-Bewegung übers Land zog war ich
sofort angefixt. Obwohl ich damals schon ein alter Daddy war, und man uns
Country-Typen für konservative Knochen hielt. War aber kein Widerspruch, im
Gegenteil. Besonders Marie Juana hier in meiner Hand hatte es mir angetan.
Hanky – Tex – stand ja mehr auf Speed, so’n Zeug dass man sich durch die Nase
zieht. Ist wahrscheinlich auch eher deins, oder?



Bettina guckt
eher teilnahmslos. Pokerface.



BILLY



Weiß was ’de jetzt denkst, was will dieser
Hippie-Opa von mir, Tex gehört uns Gruftis und Punks!


Sie lässt sich
immer noch nichts anmerken. Sie denkt an
die unästhetisch gekleideten Öko-Tanten, welche in irgendwelchen piefigen
Bremer Stadtteilzentren an Töpferkursen teilnehmen. Die Klänge, die sie bei
diesen Bildern in den Ohren hat, muten auch nicht sehr vielversprechend an.
Sind das Hippies? Andererseits…fühlt sie sich sehr zu der Protestzeit der 60er
Jahre hingezogen, zur Musik, der gesamten Stimmung von der sie glaubte dass sie
damals über der Welt hing. Billy reicht
ihr seinen Joint.



BILLY



Hier, probier mal.



Unterschiedliche
Visionen jetzt bei Bettina, schemenhaft, Ufos, sie kramt in ihren Gedanken nach

einem Bild, welches die junge Betty irgendwo am Strand zeigt.



BETTINA



Sorry, Billy, glaub’ ich bleibe Punk. Tex
Connelly dürfte eine so große Kirche gebaut haben, da ist für uns alle Platz,
für euch Bunte, uns schwarz-graues Volk, sogar für Spinner wie diesen Pfaffen
Reverend Douglas oder wie der heißt.


Sie geht den
Hügel wieder runter, lässt Billy alleine, dann mit ausgestrecktem Daumen an den
nächsten Highway, wartend auf den nächsten Truck.

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Blitzkrieg Tezuka

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20

Sonntag, 28. Dezember 2025, 02:02

BÜROGEBÄUDE IN CHARLOTTE,
NORTH CAROLINA.

AUSSEN/TAGSÜBER




Bürogebäude mit
Säulen, davor einige Passanten.





Draufsicht auf
zwei Büros, in denen sich Mitarbeiter vom Reverend relativ locker unterhalten.
Weiße Wände. Buntgemusterter Teppich. Grüner Fensterrahmen. Sonnenschein. Ein
Blumentopf verhältnismäßig einsam auf einer Anrichte.



Gordon S.
Douglas an seinem Schreibtisch, viele Papiere vor sich. Fast altrömisches
Profil, beeindruckende, charismatische Erscheinung.




Er blickt aus
dem Fenster, raus auf die Häuser im Gegenüber.



Bettina
Borchers betritt den Raum.





REVEREND DOUGLAS (in aufgesetzt
freundlichem Tonfall
):


Oh, Miss Borchers, sie wollten mich zu
meiner Freundschaft mit Tex Connelly befragen!



BETTINA



Ähm… jaa… wie war er denn so… dieser
Connelly..?



REVEREND DOUGLAS



Tex, mein Freund Tex, war ein großer
Künstler, ein spiritueller Mensch, ein Mann, den das Wirken Gottes durchdrungen
hat, seine Musik war Ausdruck seines tiefen Glaubens an den Schöpfer!


Bettina
schweigt.



REVEREND DOUGLAS



Er war wie ich sehr bibelfest. Der Glaube
hat ihn von den gottlosen Drogen und vom ebenso gottlosen Alkohol weggebracht,
halleluja! Aber der reine Glaube, wie er in der Heiligen Schrift festgelegt
ist, nicht verfälscht durch Papisten, Türken, Mongolen, Tataren und Asiaten!



BETTINA



Aha, soso. Sid Silver, mein
Lebensgefährte, ist zum Beispiel jüdisch. Hat er den reinen Glauben ihrer
Meinung nach?



REVEREND DOUGLAS



Mr. Silver gehört dem auserwählten Volk
an, welches benötigt wird, um im Heiligen Land gegen die gottlosen, heidnischen
Mohammedaner vorzugehen. Aber auch er und seine Glaubensbrüder werden
irgendwann zum wahren Glauben bekehrt werden müssen.



BETTINA



Hmm. Steht in ihrer tollen Bibel auch
etwas, wenn… sagen wir mal eine Frau nicht nur Beziehungen zu Männern hat,
sondern auch, nun ja, mal mit ihrer besten Freundin in die Kiste hüpft?



REVEREND DOUGLAS (sichtlich pikiert von
Bettinas flapsigen Tonfall, holt ein Gebetbuch oder eine Bibel hervor um daraus
vorzulesen)



Mein Gott. Die Helden sind eingedrungen in
dein Erbe. Deinen heiligen Tempel haben sie beschmutzt. Sie haben es gewagt
Jerusalem zu entweihen, sie haben ihr Blut vergossen wie Wasser in Jerusalem,
wie sie ficken und bissen und scheißen wie der letzte verfluchte Abschaum der
sie auch sind, lieber Gott, das bin ich nicht, das war der Geist Luzifers,
vergib mir Herr, vergib mir, wie lange Herr, wirst du immer zornig mit mir
sein, sollen sie doch einfach so brennen wie Feuer, sollen wir einfach immer
weiter ficken, ins Gesicht pissen und ficken. Vergib mir oh Herr, ich war, ich
war das nicht.



BETTINA (ihr Aufnahmegerät einpackend)



Ähm, ja. Mr. Reverend Douglas, ich danke
Ihnen für dieses Gespräch.


Sie verlässt
das prunkvolle Bürogebäude, streckt ihren Daumen in den Wind und lässt sich vom
nächsten Truck mitnehmen.

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